Schonung in Schonach Peplies Consult
Die Kolumne von Eric Frenzel

Schonung in Schonach

  • Eric Frenzel
Die Ergebnisse des Oberstdorfer Weltcups haben das Drehbuch für die nächsten Tage vorgegeben. Nachdem ich mit den Plätzen 10 und 12 im Einzel sehr zufrieden war und vor allem die Laufzeiten passten – im Sonntagslauf hatte ich die viertschnellste Zeit über 10 km – habe ich mich mit den Trainern hingesetzt, um die inhaltliche Gestaltung der Vorbereitungszeit auf die Weltmeisterschaft zu besprechen; zuvor wurde ich zum neunten Mal hintereinander zu einer Weltmeisterschaft nominiert.
Uns allen war klar, dass wir im Springen schlicht Optimierung brauchen, wenn man um die vorderen Plätze mitreden will. Hätte ich in Obersdorf jeweils zehn Meter mehr Weite auf der Schanze erzielt, hätte ich im Kampf um die Podestplätze eingreifen können. Eigentlich fehlt nicht mehr viel daran. So war die Entscheidung nach relativ kurzer Diskussion gefallen: ein paar Tage Regeneration in Flossenbürg zu Hause bei der Familie, Streichung der Teilnahme am Schonacher Weltcup, erneute Anreise nach Oberstdorf, um in weiteren Sprungtrainings herauszufinden, an welchen Rädchen gedreht werden muss, um Weitenverbesserungen zu erzielen.

Also Biathlon statt Nordische Kombination: während sich meine kombinierenden Teamkollegen den Anstiegen im Schwarzwald widmeten, lag ich entspannt auf dem heimischen Sofa, um die Verfolgungsrennen der Biathleten bei Damen und Herren bei der Heimweltmeisterschaft in Oberhof anzuschauen, um festzustellen, dass die Norweger auch in dieser Disziplin das derzeitige Maß der Dinge sind.

Meine Sprünge bieten von der äußerlichen Analyse her wenig Ansatzpunkte zur Kritik; die Absprünge kommen in der Regel pünktlich, die Flugphase sieht kompakt und gut aus und doch lassen die Resultate oft zu wünschen übrig. Für Oberstdorf rücken somit umfangreiche Materialtest in den Fokus: vom Ski über die Bindung zum Schuh. Wir werden jede Komponente mit Alternativen durchtesten und so schnell feststellen, welche Änderungen wir materialtechnisch herbeiführen sollten- Try and Error auf der Schanze, in der Hoffnung etwas Zielführendes zu finden. Das kann sehr schnell gehen und ich bin wirklich gespannt darauf, auf welche Wege uns diese Tests führen werden. Um ehrlich zu sein, war ich in meiner Karriere schon des Öfteren in dieser Situation, dass wir kurz vor einer entscheidenden Meisterschaft Tage zuvor noch intensiv am Testen waren – deshalb betrachte ich die Dinge mit Gelassenheit und freue mich auf die nächsten Tage sehr.

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Nach einem sportiven TV-Wochenende wird wieder gepackt, um nach vierstündiger Fahrt von Flossenbürg aus wieder in den Talschluss der Oberstdorfer Alpen zu fahren und kurz vor der Einfahrt ins Kleinwalsertal wie schon so oft in dieser Saison im Hotel Oberstdorf einzuchecken.

Herzliche Grüße
Eric Frenzel

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